Dienstag, 28. Juli 2009 2 Kommentare

„Die Jungs beißen die Hand, die sie füttert“

Rammstein – Deutschlands musikalischer Export-Schlager Nummer Eins, vor der Ära Tokio Hotel, droht und verklagt kurz vor der Veröffentlichung ihrer neuen Platte Fans und Medien und übernimmt damit glatt die rote Laterne im Sympathie-Ranking.

Rammstein © Klemen Robnik

Was ist passiert:
Zwei neue, bisher unveröffentlichte Songs der Band Rammstein sind auf unbekanntem Wege ins Netz gelangt. Das Rammstein Management Pilgrim reagierte schnell. Da in mehreren Rammsteinforen bereits der Leak-Link veröffentlicht und über die Songs diskutiert wurde, hat man den Seitenbetreibern massiv mit rechtlichen Schritten und Geldstrafen gedroht. Auch die Musik-Plattform laut.de bekam eine Unterlassungsaufforderung für einen Artikel, der den Vorgang lediglich beschrieb. Die zwei größten Rammstein-Portale "rammstein-austria.com" und "herzeleid.com" sind nun erst mal geschlossen bzw. wurden die Rammstein-Inhalte entfernt, weitere Rammsteinfanseiten haben sich  bereits aus Protest angeschlossen. Die Augsburger Allgemeine hat sogar einen Artikel aus ihrem Online-Angebot genommen, in dem der Autor den Song beschrieb und eine Strophe zitierte. Begründung: "Abmahnung durch das Rammstein-Management und einem nun laufenden Rechtsstreit".

Unschön!

Die Methodik ist zu verurteilen, keine Frage. Neben des versuchten Eingriffs in die Pressefreiheit ist sicherlich auch das absolut intolerierbare Verhalten gegenüber Fans verachtbar.

Interessant ist vor allem die Frage, wieso das Management so handelt. Ein geplanter PR-Schachzug kann dies kaum sein, dafür ist das juristische Vorgehen zu konsequent und die Aktion vom Management zu klein gehalten.
Bleibt also nur die Möglichkeit, dass Rammstein und Management – und ich behaupte einfach mal, dass sowohl Band als auch Management eine gemeinsame Position vertreten – tatsächlich von einem wirtschaftlichen Schaden ausgehen, sollten sich die Nachricht der geleakten Songs zu schnell verbreiten, ein Massen-Download stattfinden und die Songs somit nicht mehr kauf-interessant sein.

Grundsätzlich sind illegale Musikdownloads natürlich kein Kavaliersdelikt und schaden sowohl der Musikindustrie als auch dem Wert der Musik. Der Ärger der Band ist in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Rammstein ist aber nicht die erste Band, dessen Songs vor der Veröffentlichung im Netz aufgetaucht sind. Wirklich geschadet hat es großen Bands bisher sicher nicht. Geleakt wird das Album sowieso nach dem Release. Wenn vorher Material kursiert, kann dies durchaus apetitanregend sein. Es wird diskutiert, geschrieben und sind die Songs gut, steigt die Vorfreude aufs Album. Der Aufstand ist somit meiner Meinung nach auch inhaltlich kaum rechtfertigbar. Dass aber gegen die eigenen Fans juristisch vorgegangen wird und somit in Kauf genommen wird, viele Anhänger zu enttäuschen, bleibt mir ein Rätsel. Wütend kann man, wenn dann, auf denjenigen sein, der das Material erst gestohlen hat.

„Die Jungs beißen die Hand, die sie füttert.“ schreibt ein Forenuser.
„Nur ist die Hand zu dumm, um zurück zu schlagen.“ ein anderer.

Somit bleibt nur zu Hoffen, dass die große Rammstein-Fanschar dieses Verhalten nicht toleriert und die kommende CD nicht den großen Erfolg haben wird bzw. die Konzerte gemieden werden.

Ich befürchte allerdings, dass das Gros der potentiellen Käufer eben nicht angemessen reagiert und der Band keinen Denkzettel verpasst.

Zuletzt sind Rammstein durch unverschämt hohe Ticketpreise negativ aufgefallen, nun verklagen sie ihre eigene Fans und ignorieren die Pressefreiheit. Das macht doch Spaß und Lust auf Mehr!

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2 Antworten

  1. Mirko sagt:

    Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungen “nur” von einem bornierten Management getroffen wurden und nicht von den Künstlern selbst. Vielleicht gibt es da irgendwann noch eine Stellungnahme zu.

    Aber abgesehen davon: dann ist’s ja fast nur eine Frage der Zeit, bis sich die Administrative über diesen Eintrag hier echauffiert. ^^

  2. Jana sagt:

    Auf gut deutsch gesagt, man kann sich auch über jeden scheiß aufregen!!Von wegen Presse freiheit verletzt, ob hättet ihr nicht schon genug freiheit!!!!Würde ich mit Musik Geld verdienen würde ich auch die Leute verklagen die MEINE Songs ILLEGAL ins Netz stellen!Das ist dass gute recht der Band/Management. Und wer eine anspruchsvolle und geniale Show sehen will muss halt 20€ mehr zahlen!!! Und nicht die Fans werden bestraft sondern die Betreiber der Seiten!!
    Klar macht die “Presse” hier mal wieder ein “Faß auf”, aber auch nur weil ein paar Personen darüber sauer sind das sie nicht genauso schlau sind wie die Band und nicht so viel Geld machen können. Rammstein verdient das Geld, es ist ihr Talent ihre Musik und ihr Leben was sie Preis geben und wenn die Leute scharf auf diese Figuren und ihre Musik sind müssen sie halt zahlen oder selber Musik machen.

    Diese Meinung vertrete ich egal bei welchem “Star” oder “Sternchen” wenn die Menschen heut zu Tage das Jesu-Kreuz an der Wand durch ein Britney Spears Poster ersetzen, sind sie es erstens selbst schuld und zweitens hat sich quasi nur eine Kontonr. geändert auf die das Geld fließt den das fließt immer egal ob Kreuz oder Poster!!!!!!!!

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Der Autor:

Paul

Paul ist Songwriter, Komponist, Musiker und Produzent. Er ist Geschäftsführer des Labels Plan B! und studiert im echten Leben Sozialwissenschaften. Zusammen mit Mirko leitet er studioPM, bloggt nur gegen Bezahlung und vermisst die Panini Bilder.