Sonntag, 10. Januar 2010 Kommentieren

Grönemeyer, Daisy und RUHR.2010

Vorzeigedeutschrocker Herbert kommt aus dem Pott. Bei der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahrs, in dem 2010 das Ruhrgebiet seine Kulturmuskel spielen lassen darf, hat er sich zu dem hinreißen lassen, was auch schon zur WM 2006 mehr oder weniger gelang: Hymne quäken.

Der letzte Dichter und Denker, dem man anscheinend jedes Schaffen vor "Bochum" und nach "Mensch" zugunsten eines Reputationsgewinns für RUHR.2010 verziehen hat, war diesmal sogar deutlicher zu verstehen als erwartet. Dennoch wurde der Text zur Sicherheit für das eingeschalte und bunt verkuttete Publikum an große Leinwände projeziert. Wer Herbie wegen vielleicht doch zu viel Gröni nicht verstand, konnte die Poesie wegen lauter Daisy wenigstens auch nicht lesen.

Grönemeyer steht für viele Hörer/innen vermutlich weniger wegen seiner musikalischen Bedeutung als vielmehr aufgrund seiner außergewöhnglichen Songlyrik und Gesangsart im Zentrum. Das ist eigentlich ein nicht ganz gerechtes Verhältnis, denn der Bochumer beeindruckt – jedenfalls einschließlich bis zum Album "Mensch" – in beiderlei Hinsicht.

Grönemeyer verstand es textlich stets ziemlich gut, fiese Gefahren wie Klischeeriffs und Kitschsandbänke zu umschiffen. Bei "12" holte er das hingegen alles nach. Vorübergehend, wenn "Komm zur Ruhr" eine aktuelle Komposition ist (man weiß ja nie). Mit der vielleicht schmeichelhaftesten Zeile schwingt wieder Grönedichtung mit, wie sie sein sollte:

Dass der Rhein sich neu genießt, liegt an diesem Glücksgebiet.

 

Schon ein Glücksfall, dass der Bruder des Dr. Dietrich Grönemeyers nicht nur neurotischer Nummer-Einsler sondern zufällig auch Bochumer ist. Wen man wohl genommen hätte, wenn Grönemeyer nicht von der Ruhr wäre… Und: würde er kommen?

Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass "Mensch" eine wirklich gute Musikempfehlung ist?

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Der Autor:

Mirko

Mirko ist im echten Leben freiberuflicher Webdesigner und passionierter Musiker. Zusammen mit Paul ist er Chef vons Ganze, bloggt natürlich auch deswegen für studioPM und zitiert in seiner Freizeit Douglas Adams.