Donnerstag, 25. März 2010 Kommentieren

Großstadtgeflüster – Musik zum angewöhnen

Es gibt auch gute Nachrichten aus Berlin. Die Dreierkombo Großstadtgeflüster verkörpert urbanes Lebensgefühl wie sonst kaum eine zweite, gleichermaßen unbekannte Band. Damit das mit der Unbekanntheit nicht so bleibt, machen wir hier ein bisschen Werbung für Elektropop aus der Bundeshauptstadt.


Ich gestehe, auch wenn ich etwas Zeit brauchte, um die anarchischen Sounds von Jen, Raphi und Chriz für mich zu entdecken – es gibt wohl kaum eine Band, dessen CD derzeit öfter in meiner Anlage rotiert. Mittlerweile rotiert wohl auch meine Nachbarin.

Großstadtgeflüster? Das sind die mit

Ich muss gar nichts außer schlafen trinken, atmen und ficken
Und so pünktlich wie es geht meine Steuer abschicken

Diese Zeilen (übrigens vom ersten Album “muss laut sein”) begleitet eine herrlich urige Unangepasstheit, wie der Rezensent vielleicht sagen würde. Aber hier wird nicht rezensiert, hier wird begeistert. Großstadtgeflüster sind Chaos, Liebe, Tanz, Sex. Ein Sex, den Jen in der Stimme trägt, der in Ihren Worten vergegenständlicht und im Sound verkörpert wird.

Denn es ist nicht nur die direkte, intelligente Lyrik, die an GSGF fasziniert. Der Kuriositätseffekt eines Tracks wie “Du meckerst immer” hat sich spätestens beim zweiten Durchhören abgenutzt. Und genau an diesem Moment fängt die außergewöhnlich durchdachte Komposition und das Arrangement an, zu wirken. Gute Musik ist, wenn sie mit jedem abspielen ein Stückchen interessanter wird.

Die Haltung und Innovation von Großstadtgeflüster zieht sich übrigens durch das gesamte Auftreten: Von der Musik über den myspace-Auftritt bis hin zum Cover- und Bookleetdesign. Bitte kaufen und dann verstehen, was gemeint ist. Es ist einfach zu schön, um erklärt zu werden. Empfehlenswert ist auch der Twitter-Account, der mir regelmäßig spaßige Moment bereitet.

Das dritte Album, an dem GSGF gerade arbeitet, verspricht vieles, wenn man sich die bisherige Entwicklung anschaut. Zwar begeistert das erste Album nicht weniger als das zweite, aber der Qualitätsanstieg ist deutlich wahrzunehmen.

Wir können GSGF nur wünschen, nach wie vor unangepasst durch die Musikwelt zu geistern und nicht allzu bekannt zu werden, da sonst erfahrungsgemäß die managementseitige Profitorientierung alle guten Absichten überdeckt. Nicht wahr, Chris Martin?

Der Konjunktiv ist nicht gesund. Punkt.
Machn Punkt ausm Komma, Komma komma aufn Punkt.

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Der Autor:

Mirko

Mirko ist im echten Leben freiberuflicher Webdesigner und passionierter Musiker. Zusammen mit Paul ist er Chef vons Ganze, bloggt natürlich auch deswegen für studioPM und zitiert in seiner Freizeit Douglas Adams.